Erinnerungen für die Zukunft
Eine gemischte Packung mit Batikstoffen hatte ich in der Ungargasse gekauft, als es das wunderbare Patchworkgeschäft dort noch gab. Batik hat mich schon immer fasziniert und da ich es bis dahin noch nie ausprobiert hatte, wollte ich so zu einer schönen Auswahl kommen. Ich habe es übrigens bis heute noch nie selbst ausprobiert...
Von Anfang an hatte eine gewisse Abneigung gegen ein paar der Stoffe, denn sie schienen mir nicht zu den anderen zu passen. Außerdem waren verschiedenste Batik-Techniken vertreten, die mir untereinander auch nicht richtig zu harmonieren schienen.
Vor wahrscheinlich zehn Jahren machte ich den ersten Versuch, mit diesen Stoffen umzugehen.
Das hieß, ich gab sie einmal in die Waschmaschine, bügelte sie und legte sie auf. Von Anfang an, versuchte ich, Gruppen zu bilden, Familien mit ähnlicher Farbe, gleicher Technik, oder so. Ich war nie zufrieden.
Ich überlegte, mehrere Projekte draus zu machen und einen Teil davon zu verschenken. Natürlich aus den Stoffen, mit denen ich nicht zurechtkam. Etwa die Hälfte der Stoffmuster kam übrigens doppelt vor. Kinderwagendecken? Polster? Tischset? Ich konnte mich nicht und nicht an ein konkretes Projekt setzen.
Vor etwa fünf Jahren nähte ich um jedes Quadrat einen beigen Rand.
Das versöhnte mich ein bisschen mit den Stoffen, denn dieser blasse Rahmen trennte die Stoffe, gab ihnen aber auch Ruhe durch den Kontrast und ließ ein paar davon richtig leuchten.
Aber zufrieden war ich immer noch nicht.
Sie lagen jahrelang in einem Korb neben meinem Bett, so fielen sie mir regelmäßig auf und irgendwann dachte ich, dass ich die Stoffquadrate noch weiter teilen müsste. Langsam begann ich, etwas Fertiges zu ahnen.
Patchwork stand für mich immer für eine Verwertung von Stoffresten oder dem Erschaffen von Neuem aus Gebrauchtem, Abgelegtem, vielleicht Beschädigtem. Mein Lieblingsquilt, der mich schon fast zwanzig Jahre begleitet und schon viel von der Welt gesehen hat, besteht aus einem 90er Jahre Overall-Oberteil von mir und einer Leinenhose meiner Mutter. Darum fällt es mir auch schwer, Stoffe extra zu dem Zweck zu kaufen, sie in winzige Stücke zu zerschneiden. Solange die Stoffflecken doch groß sind, kann man doch auch Sachen draus machen, die große Stücke verlangen, oder? Und erst aus den Resten eine Patchworkdecke?
Letzte Woche habe ich die Quadrate geviertelt, aufgelegt und wieder zusammen genäht. Jedes Teil ist wie von selbst an seinen Platz gekommen, und ich habe in jedem Muster seinen Sinn entdeckt.
Dieser Quilt wird eine Geschichte erzählen.
Ich habe in den Stoffen einen Garten gefunden, die Farben meiner Lieblingsrose, ein Feuerwerk, das Rotgold eines Lavastromes, die Milchstraße, das Blau des Meeres....
Er wird mich in der Zukunft an das Heute erinnern.


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