Ein Ausstellungsbesuch wie ein Kurzurlaub

In der Kunsthalle Krems ist zur Zeit der brasilianische Künstler Ernesto Neto mit fantastischen Rauminstallationen zu Gast.

Schon vor über einer Woche, beim Sommerfest der Kunsthalle hatte ich die erste Gelegenheit die Ausstellung zu sehen und habe mich gleich im ersten Saal in den Formen dieser Konstruktion verloren und bin staunend durch den Raum gewandert.

Kurz danach war ich mit einem Freund ein zweites Mal in der Ausstellung und habe einiges durch seine Augen neu gesehen und erlebt. 

Ich würde so gerne die Schatten an der Wand und am Boden konservieren, denn wie in einem Spiegelkabinett scheinen sich die Strukturen bis ins Unendliche fortzusetzen, und wären dann noch da, wenn die Ausstellung längst zu Ende wäre.





Simple Netzschläuche, gefüllt mit Samen, Nüssen, Kiesel hängen von der Decke und gliedern diesen Raum. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln Räumen eine Struktur gegeben werden kann. 

Ich werde sicher nochmal kommen und bin schon gespannt, was ich dann wieder Neues entdecken werde.




Diese Säcke sind mit Bleikugeln gefüllt und liegen satt am Boden. Und trotzdem habe ich das Gefühl, sie könnten ihre Position verändern, über den Boden gleiten wie Quecksilbertropfen. Dabei bleiben sie Individuen, ihre Außengrenze ist nie starr, sie kuscheln sich an ihre Nachbarn, passen sich in gewisser Weise an, ohne sich selbst aufzugeben.




Diese Säcke waren unsere Lieblinge. Wie Erdmännchen stehen sie da, jeder mit einem ganz eigenem Charakter. Sie sind gefüllt mit Kurkuma, Kardamom und Kreuzkümmel. Ich muss mich jedes mal zusammenreißen, um nicht einen aufzuheben und ihn gleich daneben wieder kräftig aufzusetzen, um die Farbe und den wunderbaren Geruch aufs Neue freizusetzen.



Ein Netz im Raum, durchlässig und doch beschützend. Unter dem Baldachin hängen mehrere miteinander verbundene Kokons, die zum Verweilen einladen. Jede Bewegung des Einzelnen hat Auswirkungen auf die Anderen. Mit geschlossenen Augen oder sich einlassend auf das Muster, das uns umgibt, schaukeln wir und kommen zur Ruhe.




In der Großen Halle, die vor Kurzem noch Bühne für eine unglaubliche Videoinstallation von Pipilotti Rist war, steht nun eine Art organisches Zelt. Oder besser hängt, denn die dünne doppelschichtige Membran wird wieder nur gehalten von gefüllten Netzschläuchen, die am Deckenraster befestigt sind. In den Tropfen befinden sich Gewürze, einige davon in Nasenhöhe - mein Lieblingstropfen ist mit Gewürznelken gefüllt. 

Ich könnte für immer dort stehenbleiben und schauen und riechen und staunen.

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